Martin Luthers "Judenschriften" und der protestantische Antisemitismus im "Dritten Reich"

3. Mai 2017, 19:30

Der weit verbreitete protestantische Antisemitismus im Dritten Reich speiste sich aus vielen Quellen, nicht nur aus religiösen Traditionen oder theologischen Schriften. Vorwiegend waren dies Quellen und Motivationen, die den kirchlichen Protagonisten von 1933 historisch und biografisch näher standen als Luthers „Judenschriften“ aus dem 16. Jahrhundert. Es bedurfte der einschlägigen antijüdischen Luthertexte einerseits überhaupt nicht, um die massiven antisemitischen Bekenntnisse und judenfeindlichen Handlungsweisen im Kirchenbereich während der NS-Zeit hervorzubringen.
Überall dort jedoch, wo Luthers judenfeindliche Schriften, die um 1933 recht plötzlich neue Aktualität erlangten, wieder auftauchten und publizistisch neue Verbreitung fanden, bekräftigten sie den bereits vorhandenen protestantischen Antisemitismus und verliehen ihm zusätzliche Legitimationen. Insofern fiel Luthers „Judenschriften“ um 1933 die Rolle eines Brandbeschleunigers für einen Flächenbrand zu, der bereits längst im Gange war.

Prof. Dr. Manfred Gailus, geboren in Winsen/ Luhe (Niedersachsen), studierte Geschichtswissenschaft und Politische Wissenschaften an der FU Berlin. 1988 Promotion zum Dr. phil. an der Technischen Universität Berlin, 1999 ebenda Habilitation. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Sozialer Protest und soziale Bewegungen, Politik und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Geschichte des Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert, Protestantismus und Nationalsozialismus, Antijudaismus und Antisemitismus sowie Religionsgeschichte im 20. Jahrhundert.

Seine wissenschaftliche Bibliographie ist sehr umfangreich. Besonders hervorzuheben ist im Zusammenhang mit diesem Vortrag seine Herausgeberschaft für das 2013 erschienene Buch: „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933 – 1945“, für das er bedeutende eigene Beiträge verfasst hat. Sein neuestes in diesem Jahr erschienenes Werk trägt den Titel: Friedrich Weißler. Ein Jurist und bekennender Christ im Widerstand gegen Hitler.

Musikalische Umrahmung: Robert Seidel, Radebeul (Klavier)

Der Eintritt ist frei. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit des Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V. und der Jüdischen Gemeinde zu Dresden!

Dieser Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung “Juden der Lutherstadt Wittenberg im Dritten Reich” statt, die vom 23. April – 5. Juni 2017 (Sonntag – Donnerstag | 11 – 17 Uhr) im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde zu Dresden (Hasenberg 1 | 01067 Dresden) zu sehen ist.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Freundeskreises Dresdner Synagoge e.V. und der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, in Kooperation mit dem Kathedralforum Dresden, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. und Hatikva e.V.