Als Jude in der DDR (17H1208)

8. November 2017, 19:00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum, Saal, Hasenberg 1

1949 kehrten meine Eltern aus der Emigration in England zurück, wo sie den Holocaust überlebt hatten. Sie wollten mithelfen, ein neues und demokratisches Deutschland aufzubauen: Demokratie und allgemeiner Wohlstand als Garant gegen Antisemitismus. Bei diesem familiären Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ich – wie viele Kinder jüdischer Emigranten – in der DDR gesellschaftlich aktiv war. Auch ich wollte die DDR voranbringen. Zugleich nutzte ich diese Strukturen, um die von der Partei gesetzten engen Grenzen zu überschreiten; schließlich wurde ich intensiv von der Stasi überwacht.
Mitte der siebziger Jahre wurde mir bewusst, dass – obwohl die Verfolgung von Juden und der Holocaust aus Filmen und Büchern bekannt waren – kaum systematische Kenntnisse über die Geschichte der Juden in Deutschland, die Ursachen des Antisemitismus oder über den Widerstand von Juden gegen das NS-Regime vermittelt wurden. Die Gruppe “Begegnung mit dem Judentum”, Vorläufer der heutigen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, nahm sich dieser Themen an.
Während der Wendezeit war ich kurzzeitig bei der Gruppe der 20 aktiv. Nach der Teilnahme am allerletzten Parteitag der SED kehrte ich wieder in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zurück.
Gewöhnlicher DDR-Bürger? Gab es diesen überhaupt? Der Vortrag beschreibt meine Erfahrungen: Als DDR-Bürger und als Jude.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde zu Dresden und der Volkshochschule Dresden e.V. Anmeldung über die VHS