Weg der Erinnerung 2017

12. November 2017, 11:00

Mit dem Rad durch erinnerte Geschichte

Am 12.11.2017 trafen sich an der Kreuzkirche Menschen aus Dresden mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Sie alle eint das Fahrrad und die Hoffnung, die Erinnerung an die ermordeten Juden und Jüdinnen ihrer Stadt durch eine Radtour wach zu halten, die seit 26 Jahren von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Partnern organisiert wird.
Der diesjährige Weg der Erinnerung steht unter dem Motto „Engagiert! Pazifistisch – kulturell – emanzipiert – gefährlich – mutig“. Der Fahrradgemeinschaft wird zu Beginn ein Heft ausgeteilt, das alle wichtigen Informationen enthält. Von besonderer Bedeutung sind die letzten Seiten, denn der gemeinsam gebetete Psalm und das hebräische Lied ziehen sich wie ein roter Faden durch die verlebten Stunden. An sechs Stationen wird innegehalten, um Personen zu gedenken, die sich vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus für das gesellschaftliche Leben engagiert haben. Die Stationen werden von Jugendlichen aus unterschiedlichen Kontexten betreut. Schülerinnen und Schüler des St.Benno-Gymnasiums, des Kreuzgymnasiums und des Bertolt-Brecht-Gymnasiums sind ebenso vertreten wie junge Menschen der Jugendgruppe der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde Dresden. In den kreativen Beiträgen nähern sie sich Persönlichkeiten, die sich während einer menschenverachtenden Zeit mutig für Frieden, Meinungsfreiheit und eine lebenswerte Gemeinschaft eingesetzt haben. Die Mitwirkenden sprechen über den Redakteur und SPD Politiker Max Sachs, dessen Leben im KZ Sachsenburg wegen seines politischen Engagements ein grauenvolles Ende fand. Man gedenkt der Familie Arnhold, deren soziale und kulturelle Leistungen in Dresden noch immer lebendig sind. Es wird der Freundschaft auf den Grund gegangen, die Annemarie Köhler dazu bewog, ihrem Freund Victor Klemperer auch in den düstersten Zeiten beizustehen und sich offen gegen die Ideologie der NationalsozialistInnen zu positionieren. Der gemeinsame Weg endet an der Neuen Synagoge. Der Platz, an dem am 09.11.1938 ein jüdisches Gotteshaus in Flammen stand, ist heute Punkt für Dialog über Vergangenes und Zukünftiges, ist Ausgangspunkt für ein Händereichen zwischen ChristInnen und JüdInnen. 79 Jahre nach der Zerstörung des jüdischen Lebens in Deutschland muss noch viel getan werden. Der Weg der Erinnerung soll helfen, in einer schnelllebigen Zeit Momente der Ruhe und der Reflexion zu schaffen. Fremdenhass, Ausgrenzung und Antisemitismus spielen – gerade in dieser Stadt – eine tragisch große Rolle. Im Sinne des diesjährigen Mottos sind die Bürgerinnen und Bürger von Dresden einmal mehr dazu angehalten, sich für eine weltoffene Gesellschaft zu engagieren und sich mutig gegen jedwede Form der Diskriminierung auszusprechen.

Sarah Marie Neumann, ev. Theologie/Germanistik, TU Dresden, 12.11.2017

Gefördert im Rahmen des Landesprogramms “Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz”.