Nachruf auf Oldřich Látal, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Teplice

31. Juli 2018, 18:41

Seit 2001 war Oldřich Látal Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Teplice. Seit dem setzte er sich mit dem Vorstand mit großer Energie für den Aufbau und die Entwicklung der Gemeinde ein.
Darüber hinaus warteten viele Aufgaben, denn die Teplicer Gemeinde ist außer für die Friedhöfe in Teplice noch für viele Friedhöfe und Synagogengebäude im Bezirk Ustí verantwortlich. Dabei geht es ihr nicht nur um deren Erhaltung, sondern auch um Bildung vor Ort, wofür sie mit Gemeinden und Schulen zusammenarbeitet.

Seit mehreren Jahren gibt es eine gute Zusammenarbeit zwischen der Jüdischen Gemeinde Teplice, der Dresdner Jüdischen Gemeinde, dem Freundeskreis Synagoge und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden. Einladungen zu Veranstaltungen und Feiern gingen hin und her. Der Freundeskreis Dresden hatte die dringend nötige Umzäunung des Friedhofs in Sobědruhy durch Spenden unterstützt. 2014 wurde in Teplice das 600jährige Jubiläum der Ankunft von Juden in Teplice begangen mit einer Ausstellung, mit zahlreichen Veranstaltungen und einer Publikation. Auf mehreren gemeinsamen Ausflügen von Dresden nach Teplice zeigte der Vorstand Orte, die von der Gemeinde betreut werden.

Oldřich Látal starb am 30.4.2018 plötzlich im Alter von 57 Jahren, mitten aus seiner Arbeit heraus. Wir trauern mit der Gemeinde um ihn und wünschen ihr Kraft, um die Arbeit fortzuführen.

Wer wir sind

Unsere Gesellschaft besteht aus Christen, Juden, und Mitgliedern ohne Religionszugehörigkeit.

Wir vermitteln Kenntnisse von Judentum und jüdischer Religion und befragen die Traditionen des Christentums zu ihrem Umgang mit anderen Religionen.

Wir wollen neue Erkenntnisse in Bezug auf die Gleichberechtigung der beiden Religionen und Respekt vor jeglicher Religion verbreiten.

Wir wollen gesellschaftliche Verantwortung gemeinsam wahrnehmen.

Wir versuchen, herauszufinden und zu tun, was für das Zusammenleben in der Stadt hilfreich und wichtig ist.

Wir machen auf Stätten aufmerksam, die mit der jüdischen Geschichte Dresdens verbunden sind.

Wir wehren uns gegen Geschichtsfälschung und Relativierung der Naziverbrechen.

Wir lehnen Fremdenfeindlichkeit und die Ausgrenzung von Minderheiten ab.

Wir setzen die Gleichheit aller Menschen gegen die nationale Überheblichkeit.

Satzung
vom 22. Mai 2018

Unsere Kooperationspartner sind u. a.

Jüdische Gemeinde zu Dresden
Hatikva – Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Kultur Sachsen e. V.
Verein “Jugendbegegnung in Theresienstadt”
Sächsische Landeszentrale für politische Bildung
Friedrich-Ebert-Stiftung
Brücke/Most-Stiftung
Deutsch-Israelische Gesellschaft
Haus der Kirche
Buchhandlung C.L. Ungelenk Nachf.
Ökumenisches InformationsZentrum

Unsere Veranstaltungen werden zum Teil aus dem Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ gefördert.

Unsere Geschichte

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sind in der Bundesrepublik
Deutschland nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat entstanden.
„Sie wissen von der historischen Schuld und stellen sich der bleibenden Verantwortung
angesichts der in Deutschland und Europa von Deutschen und in deutschem Namen
betriebenen Vernichtung jüdischen Lebens.“ (Auszug aus der Präambel)

In der DDR waren sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche
Arbeitskreise entstanden, die ihre eigene Tradition kritisch hinterfragten, gegen wieder aufkeimenden Nazismus Stellung bezogen und bestrebt waren, mehr über das Judentum zu erfahren. So wurde 1981 in Dresden der Arbeitskreis „Begegnung mit dem Judentum“ gegründet, aus dem 1991 die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ hervorging. Damit gehören wir – wie auch die anderen 79 Gesellschaften – zum Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften, der seinen Sitz in Bad Nauheim hat.

Was wir wollen

  • Erinnerung an die Ursprünge und Zusammenhänge zwischen Judentum und Christentum
  • Selbstbesinnung in den christlichen Kirchen hinsichtlich der von ihnen theologisch begründeten und geschichtlich verbreiteten Judenverachtung
  • Bewahrung der noch erhaltenen vielfältigen Zeugnisse jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens in Dresden
  • Förderung freien, ungehinderten jüdischen Lebens in unserer Stadt bzw. Eintreten dafür, dass Hindernisse diesbeü̈glich beseitigt werden
  • Pflege und Aufsuchen von Gedenkstä̈tten für die Opfer der Schoa und von Orten der Erinnerung (z.B. ehemaliges Lager Hellerberg in Dresden)
  • Eintreten für die Akzeptanz der Synagoge in der Ö̈ffentlichkeit
  • Respektierung des Kalenders und der Feiertage der jeweils anderen Religion
  • Achtung der Eigenständigkeit von ethnischen Minderheiten und Ausländern
  • Solidarität mit dem Staat Israel
  • junge Menschen ansprechen
  • das christlich-jüdische Gespräch pflegen