Rückblick auf den „Weg der Erinnerung“ 2019

Die Vertreibung aus den Kirchen – Kirche im Nationalsozialismus

Vor 81 Jahren wurden in Deutschland die Synagogen in Brand gesteckt, auch in Dresden. Der diesjährige „Weg der Erinnerung“ am 10.11.2019, eine Radtour auf den Spuren jüdischen Lebens in Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938, fand unter der Überschrift: „Die Vertreibung aus den Kirchen – Kirche im Nationalsozialismus“ statt. An der Tour nahmen ca. 250 überwiegend junge Menschen teil.

Die Stationen auf dem Weg erzählten von der Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft aus den Kirchgemeinden und von dem Versuch, dem Christentum die jüdischen Wurzeln zu berauben.

Erinnert wurden konkrete Personen an verschiedenen Orten in Dresden. So gestaltete eine Klasse eine Station an der Wiener Str. 33, dem ehemaligen Standort des St. Benno-Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler erinnerten daran, dass ein Ministerialbeschluss vom 15.11.1938 jüdischen Schülern den Schulbesuch an öffentlichen Schulen und somit auch am St. Benno-Gymnasium untersagte. Über Nacht fehlten die jüdischen Mitschüler. Nur wenigen gelang die Flucht. Viele wurden in den Vernichtungslagern getötet.

Die katholische Jugend von Dresden-Johannstadt erinnerte in diesem Jahr an Benno Kaiser, der von 1934-1937 Kaplan an der Herz Jesu Kirche war. In einer überlieferten Predigt sagte er, dass Gott als erstes zum jüdischen Volk gesprochen habe und es ohnehin keinen „Rassegott“ gebe. Außerdem beschäftigten die Gruppe sich mit Hugo Hahn, der an der Frauenkirche Pfarrer war und ab 1933 die Bekennende Kirche in Sachsen mit aufbaute. Diese beiden Personen zeigten, dass es selbst in einem totalitären System möglich war, anders zu denken, zu predigen und zu handeln.

Bei der Erarbeitung der Stationen geht es auch immer um die Fragen: Welche der Mechanismen von damals gibt es auch heute noch, z.B. Ausgrenzung und Entrechtung? Wie ist es möglich, diese sichtbar zu machen bzw. diesen zu begegnen?

Der Weg endete in der neuen Synagoge, wo ein Jugendlicher der jüdischen Gemeinde uns sein Gotteshaus erklärte und vom Gemeindeleben heute erzählte. Anschließend gab es noch Gespräche bei warmer Suppe und leckeren Kuchen im Gemeindezentrum. Der „Weg der Erinnerung“  wird gemeinsam von der Jüdischen Gemeinde, der Evangelischen Jugend Dresden, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und von der Katholischen Dekanatsjugend Dresden veranstaltet.

Angelika Fischer, Jugendreferentin Dekanatsjugend Dresden